Dienstag, 25. November 2014

Ein gaaaanz fixer DIY-Adventskalender mit Anleitung.

Der last-minute Adventskalender für die Mama.....mit kleinem Bildertutorial. Habt ihr bestimmt fast alle schonmal gebastelt....ich hatte so Spaß an den Bildern. Da müßt ihr jetzt durch :o) 

Die Grundlage bilden alte Buchseiten....es gibt Bücher, die gehören ins Regal und andere in den Müll. Vorher kann man aber noch was draus basteln :o) ....alternativ geht das auch mit dem alten IKEA-Katalog, dem moskauer Telefonbuch oder der Betriebsanleitung des Autos, daß ihr schon vor 10 Jahren zum Schrottplatz gefahren habt. Der Tee ist optional, Glühwein oder Kaffee geht auch.....die Kerze muss aber sein, zum Bänder absengen, damit sie nicht ausfransen. Die Verschlüsse funktionieren auch noch einfacher mit Washi-Tape und Zahlen gibt es in jeglichen Varianten fertig zu kaufen. Diese hier sind jedoch viiiiiel schöner :o) Last-Minute...wenn die Füllung da ist, braucht man nur 2 Stündchen für den Kalender.....das geht auch noch am 30.11.


Die ZahlenLabel sind fix mit Labelstanzer, Lochzange und weißem Stift auf schwarzem Karton gemacht. Noch ein paar Sterne, vielleicht braucht man die....

 Den Inhalt sortieren. Ihr seid da bestimmt kreativer : kleine Gutscheine für den Liebsten, Nagellack für die TeenagerTochter oder Schrauben für den Handwerker passen auch rein.....Die 15 fehlt. Komisch.

Eine Seite um den Klotz legen, der hier als Schablone dient und die vier Kanten markieren. Mit einem Cutter auf allen 24 Seiten die Markierungen übertragen. Zwischen den zwei schmalen Markierungen alle Seiten jeweils zwei mal falten, so kann man später die Tüten schön sauber verschließen. Jeweils ein Blatt mit den Falten nach oben legen, KlotzSchablone platzieren......

Seitennaht mit Kleber schließen. (Ich arbeite bei saugfähigem Material gerne mit Holzleim, weil er sehr schnell trocknet, transparent wird, elastisch bleibt und nicht so sehr stinkt....vielleicht bin ich als Tischlertochter aber auch einfach damit aufgewachsen.) Den Tütenboden nach den Bildern falten und mit einem weiteren Stück Papier und Kleber fixieren. 

Kurz trocknen lassen, füllen, oberen Rand einmal umfalten, mit einer Lochzange Löcher stanzen (nicht die Teebeutel lochen!!).....jetzt bloß nicht die vorsortierten Füllungen verwechseln ....und einen hübschen Verschluss kreieren. Schmale Bänder, Bäckerzwirn, Metall, Tape....ihr macht das schon.


Als ich meiner Mama den Kalender schenkte, schaute sie bedrückt zu Boden. Sie hatte mir noch nicht erzählt, daß sie krank ist und momentan keine Schokolade essen darf. Wir haben uns darauf geeinigt, daß sie den Kalender trotzdem nimmt und jeden Tag eine Kalendertüte verschenken darf....an Menschen mit denen sie eben Kontakt hat: Freunde, Verwandte, Nachbarn, Ärzte, Krankenschwestern, den Schornsteinfeger, dem Postboten, der KFZler, der die Winterreifen aufzieht..... :o) viele kleine Geschenke, viele Leute, die sich drüber freuen. Die 24 behält sie jedoch.

Ich verlinke heute zu Kerstins Lady DIY, dem Creadienstag und dem Upcycling-Dienstag von Nina....es gibt so viele tolle Adventskalenderideen da draußen. Ich steh echt drauf!!!
....für alle, die erst seit kurzem mitlesen. Das hier ist der Kalender von 2012 gewesen :o) hach, war der süß!



Freitag, 21. November 2014

Ein Liebesbrief.

 

Liebster Herbst,
Bleib noch ein bisschen. Du tust mir so gut. Ich liebe Deine Farben. Wo holst Du sie her? Nur mit Dir ertrage ich diese unfassbar strahlenden goldgelben, orangenen und kupferroten Töne....zu anderer Zeit mag ich diesen Farbbereich nicht wirklich. Jetzt sehe ich mich satt daran. Genieße die vollen reifen Früchte. Esse so viele Äpfel bis ich platze. Selten sieht man mich ohne meiner Tasse Tee in der Nähe, deine Kälte ist so angenehm auf der Haut. Es prickelt verführerisch und zwingt zu Heißgetränken, die meine Hände wärmen. Du magst meine schön geföhnte Frisur nicht so gerne, mußt nochmal durchfegen. Schön wild im Moment, nur für Dich. Komm rein, kuschel Dich zu mir aufs Sofa. Nimm Dir was zu häkeln und lausche dem leisen Rauschen der Kerzen. Kannst Du es hören? Wegen Dir bin ich jetzt besonders gerne und ziemlich früh im Bett....ich nehm Dich mit. Du darfst ein paar meiner kuscheligen Wollsocken vom Schwiegertiger haben. 

Bald beginnt der Advent. Dann glitzert es wieder überall. Du machst Dich ganz langsam rar. Wirst grau und nass und unangenehm. Wer will Dich dann? Wo gehst Du hin? Neun Monate wird es dauern bis Du wiederkommst, quitschgelb und hellgrün mit Sonnenbrillenwetter. Ich werde Dich vermissen.....

Alles Liebe Deine Sandra.



Dieses Jahr mußte es pink Nagellack auf den Eicheln sein, eine Pinterest-Idee.
Kupferschalen HouseDoctor.
Ja, der Blätterzweig ist aus Kunststof...eine Jugendsünde, die wenigstens nicht bröselt.
Allerlei Sammelkram der kleinen Menchen dazu.
Papierlaub von Ikea, mit Kupferspray überzogen. 

Zugegeben, dieser Post klingt ein bisschen selbstverliebt....manchmal darf das.
Ein wundervolles Wochenende für Euch!!!


Verlinkt zum Freutag, denn jeder der liebt hat jeden Grund zur Freude.
Und gerade fällt mir auf, daß der kleine KupferVogelkäfig aus einer alten PC-Spule entstanden ist, die die Knöpfe ausgebaut hatten :o) .....PC-Upcycling für Nina.

Montag, 10. November 2014

Meine Wende-Geschichte.

Der Fall der Mauer vor 25 Jahren in der Sonnenallee


Duft kann Erinnerungen wecken. Blumendüfte begleiten mich durchs Leben. Honigsüßer Rosenduft, dann stehe ich plötzlich wieder vor der Standesbeamtin im Rathaus und sage "Ja". Phlox erinnert mich an meine Einschulung. Mama hatte damals meine Schultüte oben drauf mit einem Gebinde aus pinkfarbenem Gartenphlox geschmückt. Der duftete so wunderbar. Chrysanthemen erinnern mich an den Abend, als wir zum ersten mal rüber sind, in den Westen. Es war der 10.November 1989....heute vor 25 Jahren.

Ich bin ein Ostkind, ein Wendekind. Meine Kindheit in der DDR war wohlbehütet und gut. Trabbis fuhren nicht so schnell und eher selten, Straßenbahnen waren laut, überfahren wurde also niemand. Missbrauch gab es nicht mal im öffentlichen Sprachgebrauch. Wir waren frei, wir Kinder zumindest in unserem kleinen Leben. Wir hatten ein Dach über den Kopf und wenn wir bis um 15.00 Uhr die drei Kilometer bis zum Bäcker gelaufen waren, bekamen wir unser Brot für 20 Pfennige. Danach gab es nix mehr. Margarine und selbstgemachte Marmelade waren immer im Haus. Wenn wir am Wochenende mit den Eltern raus aufs Land zu den Großeltern fuhren, bekamen wir unseren Trabbi mit Äpfel, Kartoffeln und Eier voll geladen. Herrlich. Erst später, als ich groß war, begriff ich, warum die Gespräche in meiner großen Familie meist locker, leicht, freundlich und oberflächlich waren. Einer füllte unsere StasiAkten.

Mama und  Papa hatten meist am Wochenende eine Tüte voll Kaffee (250gr)  und wir Kinder waren meist am Wochenende im Kino. Mein Bruder und ich durften alleine mit der Straßenbahn fahren. Einmal ging das Gerücht in der Schule, es gäbe Kornflakes in einem der kleinen Lebensmittelgeschäfte, jwd, wir auf den Rädern hin und statt des Brotes eine Tüte Kornflakes geholt. Die Tüte war leer gefressen, bevor wir zu Hause ankamen. Am folgenden Tag mußten wir ohne Brote in die Schule. 

Hin und wieder kam ein seifig duftendes Päckchen aus dem Westen vom anderen Opa. Der war 1961 noch rüber und wollte eigentlich die Familie nachholen....  Seife, Strumpfhosen, Schokolade, Bonbons, einmal war eine Barbiepuppe für mich dabei. Das Geschenk für meinen Bruder habe ich wohl ausgeblendet :o)  Uns ging es gut. 

Am 9.November standen wir Kinder (ich 11 und er 12 Jahre alt) hinter dem Sofa, auf dem die Eltern saßen und Nachrichten sahen. Aktuelle Kamera 19.30 Uhr : Herr Schabowski verkündete im Nebensatz die Grenzöffnung. Meine Eltern erstarrten zu Salzsäulen. Wir schauten uns an, jubelten....und wurden dann in die Betten gescheucht. Am nächsten Morgen sind wir ganz normal zur Arbeit und Schule gegangen. Die Schule war leer gefegt. Die Hälfte der Schüler war nicht zum Unterricht erschienen und von den Lehrern nur die ganz roten. Gegen 12 Uhr wurden wir an diesem Freitag nach Hause geschickt. Als Papa endlich von Arbeit kam und Mama zur Arbeit verabschiedet war, machten wir drei uns (Papa, mein Bruder und ich) auf den Weg in den Westen. Papa parkte irgendwo in den Kleingärten in der Nähe der Sonnenallee. Beim Aussteigen fiel ich in einen Zaun, an dem sich nasse Chrysanthemen senkrecht hielten, trotz der Kälte. Dieser herbe Duft. 

Es war schon gegen 18.00 Uhr, als wir am Grenzübergang in der Sonnenallee ankamen. Der Strom Menschen machte es unmöglich einen anderen Weg zu gehen. Autos kamen nicht mehr vorwärts. Vor uns waren die Schlagbäume unten und die Pässe wurden kontrolliert. Es ging nicht weiter. Eine Stunde standen wir im dichten Gedränge....mit elf Jahren, ein Kopf kleiner, hatte ich nur Jacken um mich herum. Bedrohliche Enge, die von Papa hin und wieder mit schieben und bösen Blicken beseitigt wurde. Papas Hand ganz fest halten, meine Hand war schön warm. Ich rechts, mein Bruder links, standen wir und warteten. Es wurde laut "Wir sind das Volk" "Macht auf" "Freiheit, Freiheit, Freiheit!" ....plötzlich ging ein Kreischen durch die Menge und wir setzten uns alle gleichzeitig in Bewegung. Wir waren drüben. Mich überfiel die Angst, sie würden die Grenze hinter uns wieder schließen. Mama wäre alleine. Ich wollte nur noch nach Hause. Papa, ist ein prima Kerl, er holte das Begrüßungsgeld für uns drei und steuerte direkt den nächsten Kiosk an, wo wir jeder ein Überraschungsei bekamen. Ich ließ mich gerne bestechen :o)

Wir besuchten eine alte Tante, schlenderten durch das überfüllte West-Berlin, verloren Papas prall gefülltes Portemonnaie und fanden es wieder. Irgendwann ging es wieder Richtung Osten über die offene Grenze, ich hätte jeden Uniformierten knutschen können. An den Chrysanthemen vorbei, in den grünen Trabbi und schon waren wir zu Hause, bevor Mama ihre Spätschicht beendet hatte. Sie wurde kreidebleich, als wir ihr erzählten, was wir erlebt hatten und beruhigte sich erst, als Papa das Kilo WestKaffee auf den Tisch stellte.....auch sie ließ sich von ihm gerne bestechen. Es wurde ein wunderbares Wochenende. 

Das war ein Wendepunkt für viele, viele Menschen. Wir bekamen so viel Besuch von unserer großen Westfamilie. Ich wußte nicht, daß es so viele waren und wurden auch viel eingeladen. Der grüne Trabbi war also von Wilhelmshafen bis Nürnberg mit uns unterwegs. Sehr aufregend. Meine Eltern behielten beide ihre Arbeit. Wir mußten bald darauf Samstags nicht mehr in die Schule. Es gab keinen Fahnenappell mehr, die Pioniertücher schoben sich immer weiter nach unten in die Schubladen. Ich wurde ganz langsam erwachsen, verstand immer mehr und begriff, daß ich, wäre ich groß gewesen, auch an diese Grenze gestoßen wäre. Das ich ungemütlich geworden wäre. Sehr sicher. 

Weihnachten 1989 bekam ich einen rosa MickyMaus-Pullover, Schuhe für meine Barbie (die Kleidung des Plastikmädchens fertigte ich selbst, seit ich sie besaß), eine Heizung in mein Zimmer und eine Apfelsine ganz für mich alleine. Großartig!!!

Als ich erwachsen wurde, bekam ich immer mehr kleine und große Geschichten erzählt über meine Familie. Die Flucht des Großvaters, Enteignungen, Übergriffe, Mama hätte damals gerne Abitur gemacht und studiert, es wurde ihr verweigert, weil Opa nicht in der Partei war. Opa ist so stolz, daß wir drei Enkelmädchen alle studieren konnten....Freiheit ist das einzige, was zählt. So sang es damals Marius Müller-Westernhagen. Das entstand bereits vor der Wende! Damit bin ich groß geworden. Das hat mich und die Generation Wende begleitet und geprägt. Jetzt erst weiß ich die Freiheit wirklich zu schätzen. Die Freiheit zu lieben, zu leben und zu sagen, was ich will.  Ich Danke an dieser Stelle jenen, die raus gegangen und laut geworden sind und jenen, die friedlich blieben. Vielleicht macht es anderen Menschen mit Mauern Mut, diese endlich zu entfernen. 

Gestern Abend sah ich die weißen Luftballons in den Berliner Nachthimmel aufsteigen, im Fernsehen und telefonierte währenddessen mit meinem Papa. Ich bekam ne Gänsehaut. Er beschwerte sich, daß sie diese Kosten lieber in die Berliner Obdachlosen hätten investieren sollen. Ich fand die Installation wundervoll. Gut gelungen....sehr. Ich war leider diesmal nicht dabei :o)

Ein Macro dazu für Steffi.....im Kleinen ist die Welt bezaubernd.

Freiheit ist die Musik meines Lebens,
das Thema der "short stories" im November von Biene und Andrea.
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